Beitrag der Samtpfotenstube in der Mai-Ausgabe der St.Johanner Zeitung
Kastrationspflicht von Katzen
Das Team der Samtpfotenstube informiert
Die Zeit der kleinen Babykatzen ist bereits wieder in vollem Gange. Viele unkastrierte Freigänger-Katzen haben bereits ihre Babys geboren oder sind hochträchtig.
Kleine Babykatzen sind natürlich süß anzuschauen und jeder möchte so eine Babykatze gerne streicheln und im Arm halten. Doch auch hier in Tirol durchleiden Katzenmütter und ihre Babys unfassbares Leid.
Katzennachwuchs, den es durch das österreichische Kastrationsgesetz nicht geben dürfte.
In der Samtpfotenstube werden jedes Jahr Katzenbabys aufgenommen, die bereits in einem solch kritischen Zustand sind und nur noch per Hand aufgezogen werden können.
So wie der kleine Leon und seine Schwester Nala. Ihre Atemwege waren entzündet, die Augen eitrig. Sie bekamen keine Luft mehr, um trinken zu können. Über drei Wochen hinweg verbrachte Martina Reichenfelser Tag und Nacht damit, die beiden mit winzigen Milchmahlzeiten aus kleinen Spritzen tropfenweise zu ernähren. Außerdem musste der sich ständig neu bildende Eiter aus den Augen entfernt und die Atemwege durch Inhalation freigehalten werden.
Für Leon und Nala war es wochenlang ungewiss, ob sie überleben würden. Doch Gottseidank haben sie ihren Kampf gewonnen und sind inzwischen zu kräftigen gesunden Katzen herangewachsen. Doch bei weitem nicht alle Katzenbabys gewinnen den Kampf. Nicht einmal alle jene, die von Menschen versorgt werden, überleben die ersten Wochen. Es ist ein unfassbar grausamer Tod, wenn die Kätzchen sich selbst überlassen sind.
Bereits seit 2005 ist es nach dem österreichischen Tierschutzrecht verpflichtend, Freigänger-Katzen kastrieren zu lassen. Seit 2016 müssen auch die vorher ausgenommenen Tiere in „bäuerlicher Haltung“ – auch zugelaufene Streunerkatzen – kastriert werden.
Leider ist die Anzahl der Bauern, die auf den Gesundheitszustand der Katzen achten, sie füttern und auch tierärztlich behandeln lassen, bedenklich gering. Denn Katzen sind keine Nutztiere, sollen gefälligst Mäuse fangen und das war’s dann auch.Apropos „Mäuse fangen“: Der Mythos, dass kastrierte Katzen keine
Jäger mehr sind, ist immer noch bei vielen verankert. Es wird nur selten
bedacht, dass bei einer großen Population von Streunerkatzen das Risiko der
Übertragung von Krankheiten oder Parasiten auf Nutztiere und sogar Menschen
unaufhaltsam ist.
Oft erlebt man sein blaues Wunder. Nämlich dann, wenn man in dem Irrglauben
lebt, nur ein paar Streunerkatzen am Hof zu haben. Sie vermehren sich
unaufhaltsam, verstecken sich vor den Menschen und es kommt rasch zur
Überpopulation.
Wer verwilderte oder zugelaufene Katzen sieht,
kann seine Beobachtungen bei den Tierschutzvereinen oder Tierärzten melden und
sich informieren. Wegschauen ist keine Lösung! Helfen Sie Tierleid zu
verringern und denken Sie an die Folgen für sich selbst überlassene
Katzenmütter und ihren Nachwuchs.
Mai 2024